Auswirkungen des EU-Klimaschutzgesetzes auf die Bauindustrie

Das im Juni 2021 verabschiedete Klimaschutzgesetz macht die EU-Emissionsziele für Treibhausgase rechtsverbindlich. Dies signalisiert den Beginn einer umfassenden Überarbeitung der Umweltrichtlinien für viele Industriesektoren, einschließlich der Bauindustrie. Doch was beinhaltet das Gesetz – und wie könnte es sich auf das Bauwesen auswirken? In diesem Lesestoff, der etwa 8 Minuten in Anspruch nimmt, erfahren Sie alles Wissenswerte dazu.

Auswirkungen des EU-Klimaschutzgesetzes auf die Bauindustrie

Haben Sie keine 8 Minuten Zeit?

Was verbirgt sich hinter dem EU-Klimaschutzgesetz? 


Im Jahre 2019 rief die Europäische Kommission den Green Deal der EU ins Leben, eine ehrgeizige Richtlinie, die es der EU ermöglichen soll, bis 2050 klimaneutral zu werden. Dieses Ziel wird zu einer größeren Sauberkeit der Umwelt, erschwinglicheren Energiekosten, einem intelligenteren Transportwesen sowie zu einer besseren Lebensqualität für die Menschen führen, die in den EU-Ländern leben und arbeiten.

Das Klimaschutzgesetz setzt diese Richtlinie in Rechtsvorschriften um und erhöht das Ziel zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2030 von 40% auf 55%. Zur Erzielung der Klimaneutralität sind jedoch umfangreiche Änderungen von Richtlinien und staatlichen Kontrollmaßnahmen notwendig. Die EU-Mitgliedstaaten sind rechtlich dazu verpflichtet, auf nationaler Ebene Änderungen vorzunehmen, um das Ziel der EU, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, umzusetzen.

 

Warum die Bauindustrie dem EU-Klimaschutzgesetz größte Aufmerksamkeit schenken sollte.


Die Frage lautet: Was bedeutet das Klimaschutzgesetz für die Bauindustrie und insbesondere für die Hersteller? In dieser Richtlinie werden zahlreiche Punkte behandelt. Wir haben das Dokument für Sie durchgearbeitet und eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte erstellt, über die Sie Bescheid wissen müssen:

  • Emissionssenkungsziele
    Die neue Regelung zur Lastenteilung legt die Emissionssenkungsziele für Industriebranchen, einschließlich der Bauindustrie, für alle EU-Länder bis 2030 fest.

    Wie groß wird die Rolle sein, die unsere Branche dabei spielt, diese Regelung erfolgreich umzusetzen? Angesicht der Tatsache, dass das Bauwesen 36% des Energieendverbrauchs und 39% des energie- und prozessbedingt ausgestoßenen Kohlendioxids ausmacht, kommt ihm eine sehr große Rolle zu. Aber mehr dazu später!

  • Emissionshandel zugunsten sauberer Alternativen
    Der Emissionshandel für Kraftstoffe im Bauwesen wird die Preise umweltschädlicher Kraftstoffe erhöhen, um die Produzenten zur Innovation und zur Investition in saubere Alternativen anzuregen. Die daraus generierten Einnahmen fließen der Finanzierung eines sozialen Klimafonds zu, der den Bürgerinnen und Bürgern finanzielle Unterstützung bei Investitionen in Renovierungen oder umweltfreundlichere Heizsysteme gewähren soll. Der Emissionshandel wird auch Einnahmen für die EU-Länder zur Unterstützung der Entkarbonisierung von Gebäuden generieren.

  • Erneuerbare Energien
    Die überarbeitete Erneuerbare-Energien-Richtlinie setzt für erneuerbare Energien in Gebäuden einen Richtwert von 49% und erhöht die Nutzung erneuerbarer Energien in der Fernwärme- und Fernkälteerzeugung um 2,1 Prozentpunkte pro Jahr.

  • Renovierung und Restauration von Bestandsbauten
    Die verschärfte Energieeffizienzrichtlinie führt die gesetzliche Forderung ein, der Energieeffizienz bei Planungs- und Investitionsentscheidungen höchste Priorität einzuräumen. Was bedeutet das in der Praxis?

    Der öffentliche Sektor wird jährlich 3% seiner Gebäude renovieren müssen, um den Energieverbrauch und die Kosten für die Steuerzahler zu senken. Für alle EU-Länder wird das neue Ziel festgelegt, den Energieverbrauch im öffentlichen Sektor jährlich um 1,7% zu senken. Außerdem fordert diese Richtlinie öffentliche Stellen dazu auf, zur Renovierung größerer Nichtwohngebäude Energieleistungsverträge zu nutzen.

     

Warum die Bauindustrie dem EU-Klimaschutzgesetz größte Aufmerksamkeit schenken sollte.

 

Die Auswirkungen des Klimaschutzgesetzes auf die EU – und darüber hinaus


Regierungen aus aller Welt beobachten derzeit sorgfältig, welche Auswirkungen die Anpassung bestehender Strategien und die Einführung neuer Richtlinien auf die CO2-Emissionen Europas haben werden. Im Rahmen der gemeinsamen Anstrengungen zur Reduzierung der CO2-Emissionen können auch andere Länder oder sogar Kontinente zur Entscheidung gelangen, sich dem Schritt der Mitgliedstaaten der Europäischen Union anzuschließen.

So hat sich zum Beispiel das Vereinigte Königreich ebenfalls verpflichtet, seine Netto-Emissionen bis 2050 auf Null zu senken. Das Ziel, die Emissionen bis 2030 um mindestens 68% im Vergleich zu 1990 zu senken und bis 2035 eine Reduzierung um 78% zu erreichen, ist sogar innerhalb der britischen Gesetzgebung verankert.

Das Klimaschutzgesetz hat große Auswirkungen auf Hersteller, die den Bausektor beliefern, weil die EU plant, Importeuren für die CO2-Emissionen bei der Herstellung solcher Produkte wie Zement, Stahl und Aluminium im Ausland an den Grenzen zusätzliche Abgaben aufzuerlegen.

 

Das Bauwesen ist ein Hauptverursacher des Klimawandels


Warum visiert das Klimaschutzgesetz die Bauindustrie an? Seien wir einmal ehrlich: in Bezug auf Nachhaltigkeit sind wir nicht führend. Einige Unternehmen, wie MOSO Bamboo, erreichen Bemerkenswertes, aber insgesamt sind wir noch meilenweit von dem erforderlichen Stand entfernt.

Während andere Branchen (wie die Luftfahrt) wegen ihres hohen Beitrags zu den CO2-Emissionen öffentlich benannt wurden, konnte sich die Bauindustrie bisher ihrer Verantwortung entziehen. 

Dies ist überraschend, da der Bausektor für 39% des Energieverbrauchs und der prozessbedingten CO2-Emissionen sowie für 36% des Endenergieverbrauchs verantwortlich ist. Darüber hinaus macht die Herstellung von Baumaterialien und Produkten wie Stahl, Zement und Glas 11% der CO2-Emissionen aus. Holen Sie sich jetzt eine volle Aufschlüsselung der Klimamaßnahmen.

 

Jedes Quartal wird ein neues Tokio erbaut


Wie in unserem Bericht Warum Nachhaltigkeit der Schlüssel für die spezifische Produktauswahl ist erwähnt, sieht die harte Realität so aus, dass die Nachfrage nach Wohnraum nur noch weiter ansteigen wird. Die Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen vermeldet, dass die städtische Bevölkerung bis zum Jahre 2050 auf 6,7 Milliarden ansteigen wird. Das entspricht erstaunlichen 68% der Weltbevölkerung, die in einem städtischen Umfeld leben.

Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass bis 2060 230 Milliarden Quadratmeter Wohnraum neu erbaut werden, um den Bedürfnissen der wachsenden Bevölkerung gerecht zu werden. Das entspricht pro Woche einer Großstadt der Größe von Paris, alle 34 Tage einem neuen New York beziehungsweise alle Vierteljahr einem neuen Tokio.

Antennen in Tokio


In der Realität stehen wir einer Situation gegenüber, in der wir nicht aufhören können, zu bauen, obwohl unser Planet diese Entwicklung nicht mehr mittragen kann.

Dies klingt vielleicht etwas düster, oder sogar entmutigend. Wie wir es von zahllosen Filmen über Superhelden her kennen, wird die Welt mitunter jedoch dadurch gerettet, dass der Bösewicht einem Sinneswandel unterliegt.

Ergo: wie können wir umweltfreundliche und gesundheitsfördernde Gebäude bauen, ohne den Baubetrieb (und damit die Bauunternehmen) zum Erliegen zu bringen? Es gibt nur eine Lösung: wir müssen anders bauen. Die Vorteile neuer technologischer Entwicklungen zu nutzen und das Beste aus ihnen herauszuholen – dies wird es uns ermöglichen, besser, intelligenter und schneller zu bauen.

Aber das klingt bestenfalls nach einem Marketing-Gag oder Wunschdenken– nicht wahr? So ist es aber nicht.

 

Warum BIM der Schlüssel zur Konformität mit dem EU-Klimaschutzgesetz ist


Eine CO2-Bilanz zu verbessern heißt, bessere Entscheidungen bei der Planung, dem Bau und der Verwaltung von Gebäuden zu treffen, um die CO2-Emissionen zu senken. Das ist auch einer der Hauptgründe dafür, dass es BIM gibt und dass es nunmehr für öffentliche Aufträge weltweit zur Pflicht wird.

Obwohl wir eine ganze Seite erstellt haben, auf der die Grundlagen von BIM behandelt werden, muss es an dieser Stelle noch einmal wiederholt werden: BIM, die Abkürzung für „Building Information Modelling“, steht für ein digitales 3D-Verfahren zur Bauwerksmodellierung, in dem Informationen über jede einzelne Gebäudekomponente innerhalb des gesamten Projektteams und über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes hinweg verwaltet werden. Dies eröffnet den Beiteiligten an einem Projekt folgende Möglichkeiten: 

Durchführung von Energieverbrauchssimulationen für den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes
• Beurteilung der Produkt- und Materiallebenszyklen
 Berechnungen für Aussagen zum Energieverbrauch und zu verkörpertem Kohlendioxid in den Bauten
 Volumenprognosen zur Abfallminimierung
 Untersuchungen über die zukünftige Leistung der Anlagen
 Erkennnung und Beseitigung von Baumängeln (z.B. Projektierungsfehlern), noch vor der Grundsteinlegung.

Regelung zur Lastenteilung – check!

BIM wird häufig im Zusammenhang mit Neubauten eingesetzt. Doch es ist auch ein wertvolles Werkzeug für die Sanierung von bestehenden Strukturen – und sogar von historischen Gebäuden (HBIM). Um noch einmal auf die „Energieeffizienzrichtlinie“ des EU-Klimaschutzgesetzes zurückzukommen, kann sich BIM bei einer jährlichen Renovierungsrate von 3% als deutlicher Vorteil erweisen – sowohl was die Geschwindigkeit betrifft, als auch im Hinblick auf eine Analyse der Materialien bezüglich ihrer Klimaneutralität.

 

BIM für Hersteller: Förderung eines umweltfreundlicheren Designs


BIM wird häufig als ein Prozess betrachtet, der von Architekten, Ingenieuren, Auftragnehmern und Eigentümern/Betreibern von Gebäuden eingesetzt wird. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Hersteller spielen eine wichtige – nein, einfach eine entscheidende – Rolle in Bezug auf BIM.

BIM für Hersteller: Förderung eines umweltfreundlicheren Designs



Wir haben alles Wesentliche dazu bereits behandelt "4 Gründe dafür, warum jeder Hersteller BIM einführen sollte". BIM beruht vielmehr auf der guten Zusammenarbeit aller Interessenvertreter eines Projekts– dies bezieht auch (und insbesondere) die Hersteller mit ein.

  • 74% der Architekten, Ingenieure und Bauunternehmer sind der Meinung, dass eine enge Zusammenarbeit mit den Herstellern von Bauprodukten sehr wichtig oder äußerst wichtig sein wird, um den Erfolg für die nächsten drei Jahre zu projizieren, erklärt das Business-Magazin Harvard Business Review.
  • Giuseppe Tortato vom Giuseppe Tortato Architetti Studio drückt dies so aus, dass BIM neue Synergien und Partnerschaften mit den Herstellern erschließt. Lesen Sie das vollständige Interview in 7 Fallbeispiele für den geschäftlichen Wert von BIM.

Doch... Zusammenarbeit ist nicht der einzige Vorteil von BIM. Als Hersteller möchten Sie mit Sicherheit stets auf dem Laufenden bleiben, was aktuelle Trends und Entwicklungsanforderungen angeht. Was meint also ein beliebiger Planer zu dieser Nachhaltigkeit? Wir baten 2.568 von ihnen, anhand einer Skala von 0–10 die Bedeutung eines nachhaltigen Designs zu bewerten. Und das Umfrageergebnis? Eine beeindruckende Gesamtbewertung von 7,6.

Die Grafik zeigt, wie wichtig Nachhaltigkeit für Planer ist

Möchten Sie mehr erfahren? Holen Sie sich Ihr Exemplar von Warum Nachhaltigkeit der Schlüssel für die spezifische Produktauswahl ist.


Alle Ziele und Bestrebungen bringen uns jedoch leider nur zu einem gewissen Punkt. Ohne die richtigen Informationen können Architekten und Ingenieure weder Emissionen senken, noch unter dem Strich Klimaneutralität erzielen. Und Auftragnehmer können nicht basierend auf ungesicherten Schätzungen Deklarationen zum Klimaschutz einreichen.

Was muss man also tun, um das neue EU-Klimaschutzgesetz voll einzuhalten? Sie haben es erraten: Informationen über die Umweltauswirkungen jedes einzelnen Bauprodukts abgeben.

 

BIM: Ein Wettbewerbsvorteil für Hersteller


BIM ermöglicht eine bessere und umweltfreundlichere Zusammenarbeit mit den Planern. Doch wie bekommen Hersteller einen Fuß in die Tür? Und wie können Sie die neue Forderung nach Klimaneutralität erfüllen? Letzten Endes dreht sich alles um die Erstellung herstellerspezifischer BIM-Objekte. Diese informationsreichen digitalen Zwillinge Ihrer Produkte sind die Komponenten, mit denen Konstrukteure ihre BIM-Modelle füttern und zusammenstellen.

Und was springt dabei geschäftlich heraus? Es geht hier nicht um einen Zusatzbonus oder eine Gefälligkeit. Wie in einem Interview mit Kanlux 7 Fallbeispiele für den geschäftlichen Wert von BIM nachgewiesen, kann BIM über den Erfolg oder Misserfolg einer Ausschreibungsbeteiligung entscheiden und Türen zu öffentlichen Projekten öffnen.

Warum ist das so? Hersteller, die BIM-Objekte erstellen, liefern den Planern die Informationen, die diese brauchen, um umweltbewusste Entscheidungen zu treffen, die mit dem Kunden und dem neuen EU-Klimaschutzgesetz im Einklang stehen (was übrigens bei den meisten öffentlichen Aufträgen Hand in Hand gehen wird). Wenn Sie den Informationsbedarf der Planer nicht decken können, werden Sie bereits ausgeschlossen, bevor Sie eine Chance zu Verhandlungen hatten.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen:


Auf den ersten Blick könnte man annehmen, das EU-Klimaschutzgesetz sei ein schwerer Schlag. Doch bedrohliche Anzeichen gibt es schon seit einer ganzen Weile. Das EU-Klimaschutzgesetz ist ja nur ein Katalysator, der zementiert, was wir bereits wussten: Es ist an der Zeit, dass wir nicht nur aufwachen, sondern auch zuhören, Änderungen durchführen und Maßnahmen ergreifen. Als Branche müssen wir unsere Kräfte bündeln und neue Innovationen in Angriff nehmen. Innovationen, die es uns ermöglichen, mehr zu leisten, besser zu arbeiten und eine hellere, umweltfreundlichere Zukunft für alle zu schaffen.

 

Sind Sie bereit für den nächsten Schritt? Erfahren Sie Näheres zum EU-Klimaschutzgesetz und zu den Konstrukteursanforderungen, indem Sie sich im Online-Marktplatz BIMobject anmelden!

 

Dieser Blogbeitrag ist nur zur Inspiration und zu Informationszwecken vorgesehen, stellt keine Rechtsberatung dar und darf auch nicht als solche ausgelegt oder rechtlich geltend gemacht werden.

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